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Tennis im Fürstengarten
Eigentlich wurde in Hechingen schon seit der Jahrhundertwende Tennis gespielt. Der Fürst von Hohenzollern stellte damals vor der Villa Silberburg an der Zollerstraße ein Grundstück zur Verfügung. Das offizielle Gründungsjahr ist jedoch das Jahr 1950. Die Besatzungsmächte erlaubten der deutschen Bevölkerung wieder, sich in Vereinen zu organisieren. In der Gründungsversammlung im Museum wurde Dr. Ludwig Kinkel zum 1. Vorsitzenden gewählt. Die in viel Eigenleistung erstellten 2 Tennisplätze incl. Ballwand wurden 1951 eingeweiht. Der Verein hatte damals genau 29 Mitglieder. Freilich war das Tennisspiel in der Anfangszeit recht beschaulich. Da das Hausfrauentennis noch nicht erfunden war, lagen die Plätze tagsüber verwaist an der stillen Zollerstraße. Das so genannte Tennisequipement musste in Ermangelung eines Sportgeschäfts in Tübingen gekauft werden. Saiten durften besser nicht reißen, da man sich selbst behelfen musste. Erst einige Jahre später konnte man nach gutem Zureden auf die Hilfe von Albert Beuter (Bä) hoffen. Natürlich war der TCH von Anfang an dabei, als nach dem Krieg wieder ein geregelter Spielbetrieb aufgenommen wurde. Dem WHTB (Württ.-Hohenz.-Tennis Bund) gehörten übersichtliche 28 Vereine an. Eine Mannschaft bestand aus 6 Herren und 4 Damen. Wenn man bedenkt, dass außer den 3 Herrendoppeln auch noch 4 Mixedpartien zum Austrag kamen, kann man sich gut vorstellen, wie spät es an manchen Sonntagen wurde. Ergänzt wurde der Turnierkalender durch die alljährliche Vereinsmeisterschaft, das Zollern-Alb Turnier in Ebingen und das interne Fürstenpokalturnier gegen Sigmaringen. Der beste TCH-Spieler über nahezu 20 Jahre war Dr. Heinz Buckenmayer, der bereits 1954 in der Henner-Henkel-Auswahlmannschaft unseres Landesverbandes stand. Anfang der 60-er Jahre konnte er die Deutsche Hochschultennismeisterschaft gewinnen und qualifizierte sich für die Studentenweltmeisterschaft in Turin. Aktiv spielte er in dieser Zeit beim LTTC Rot-Weiss Berlin in der damals höchsten deutschen Spielklasse.
1962 wurde der Fürstengartenanlage das lang ersehnte Clubhäusle einverleibt. Es wurde schnell zur viel genutzten Anlaufstelle der Mitglieder. Erinnert sei dabei an die zu später Stunde gehaltenen Damenreden des Dieter Hömig oder an den Solovortrag des Wolgaliedes durch Heiner Stobitzer. Bis zum Anschluss an das Stromnetz wurde bei Kerzenlicht am Wochenende oft bis in die Morgenstunden gefeiert.
1966 endete die Ära des Dr. Ludwig Kinkel, der die Geschicke des TCH von Anfang an mitgeprägt hatte. Nachfolger im Amt des 1. Vorsitzenden wurde sein damaliger Stellvertreter Heinrich Haug. Unter seiner Führung wurden die Clubräume erweitert. Man erzählt sich auch heute noch unter den alten Mitgliedern, dass der Kühlschrank des ersten Platzwarts Schwenzfeger von bösen Buben um so manches Frühstücksfleisch erleichtert wurde. Die vermeintlichen Täter konnten bis heute nicht überführt werden. 1970 wurde die Fürstengartenanlage mit dem dringend benötigten 3. Platz erweitert.
Mit Heinrich Haug schied das letzte Gründungsmitglied des TCH 1972 aus dem Vorstand aus. Dr. Heiner Stobitzer wurde mit großer Mehrheit zu seinem Nachfolger gewählt. Der Verein hatte nun knapp 200 Mitglieder und es kam öfters zu unerträglichen Engpässen im Spielbetrieb. Viele mussten oft mehrere Stunden warten, bis sie einen Spielplatz ergattern konnten. Das Fürstenhaus lehnte jedoch kategorisch eine Erweiterung der Platzanlage im Fürstengarten ab. Natürlich waren die Verlegung der Anlage und die damit verbundenen Kosten in dieser Zeit immer ein latentes Thema. Im Jahre 1975 gab dann der Hechinger Gemeinderat grünes Licht für den Bau der neuen Anlage im Weiher. Besondere Verdienste im Genehmigungsverfahren erwarb sich hier Dr. Klaus Kinkel, der Sohn des Gründungsvorsitzenden und späteren Bundesaußenminister.
Tennis im Weiher
Gerd Wissmann, der 1976 Dr. Stobitzer im Amt des 1. Vorsitzenden folgte, war neben Walter Pflumm, Sigurd Dehn, Karl-Heinz Braun und allen voran Wolfgang Gifhorn einer der Hauptbeteiligten beim Bau der neuen Platzanlage incl. Halle.
Mit Sportwart Wolfgang Hellstern begann parallel eine sportliche Erfolgsgeschichte für den TCH. Sein Konzept, mit starken Mannschaften gute Nachwuchsleute an den Verein zu binden, überzeugte und ist bis heute die sportliche Maxime des TC Hechingen. Mit 6 Hechinger Eigengewächsen stieg man drei Jahre hintereinander auf bis in die Oberliga, die heute der Württembergliga entspricht. Der Tennisboom der 80-er Jahre tat sein Übriges, die Mitgliederzahl stieg auf fast 600. Die 1. Herrenmannschaft profitierte natürlich von der steigenden Tennisbegeisterung, nicht selten waren über 300 Zuschauer auf der Anlage. Die Auswärtsspiele waren nahezu ausschließlich in der Hand der gefürchteten TCH-Fans. Der Mannschaftsbetrieb wurde mit der Verpflichtung von Bane Bradonic immer erfolgreicher und führten die Damen und Herren Ende des Jahrzehnts bis in die 2. Bundesliga. Wer von den Zeitzeugen erinnert sich nicht gern an die Spiele von Ulf Ericsson, Thomas Nydahl, Bane Bradonic, Peter Siegel, Thomas Sprauer, Heinz-Peter Hebbel, Stefan Erhart, Herbert Dehner, Julia Jehs, Catrin Müller oder Andrea Heinzel, die als ehemalige deutsche Spitzenspielerin maßgeblich am Erfolg des Damenteams beteiligt war.
Anfang der 90-er Jahre spürte man schon, dass der Tennisboom seinen Zenit bereits überschritten hatte. Die Mitgliederzahl ging auf 560 zurück. Hinzu kam, dass nach 34 Jahren ununterbrochener Vorstandstätigkeit die Ära Wissmann zu Ende ging. Nachfolger wurde Dr. Dieter Schlosser. Etwas später hatte man zudem noch den Weggang des langjährigen Cheftrainers Bane Bradonic zu verkraften. Nach nur zweijähriger Amtszeit löste Bernd Strobel 1996 Dr. Schlosser im Präsidentenamt ab und Gerhard Frommer wurde nach 1980 zu zweiten Mal als Sportwart bestellt. Die Probleme, die auf die neue Vorstandschaft zukamen waren enorm. Die Mitgliederzahl war auf 450 gesunken, Platz 9 musste zu einem Höchstpreis von einem Privatinvestor zurückgekauft werden, die Anlage incl. Weiherstube und Terrasse heruntergewirtschaftet.
Um eine gleichzeitige Schuldenrückführung zu gewährleisten und Mittel für notwendige Investitionen bereithalten zu können, wurde von der Vorstandschaft ein neues Marketingkonzept in Eigenregie entwickelt. Mit einer völlig anderen Dimension an Turnierveranstaltungen und einer Formatumstellung seines traditionellen Weiherreports, wollte man sich für neue Sponsoren öffnen. 1998 fanden die 1. Hechingen Ladies Open statt, ein Damenweltranglistenturnier um US$ 10.000.- Preisgeld. Im Rahmen des 50-jährigen Vereinsjubiläums wurde das Preisgeld auf US$ 25.000.- aufgestockt. Bestnoten der ITF für die Turnierausrichtung blieben auch der ADT (Arbeitsgemeinschaft Deutscher Turnierveranstalter) nicht verborgen. 2005 wurde man in Rust zum besten internationalen Turnier Deutschlands gewählt in der Kategorie US$ 10.000.- bis 125.000.-. Auch die Vereinszeitschrift Weiherreport erhielt im selben Jahr eine Auszeichnung als beste Vereinszeitschrift des Landesverbands. 27 Jahre LBS-Tennis-Cup, 13 Jahre Hechingen Ladies Open und 12 Jahre Kalbacher Mercedes Trophy haben sich für den TCH auf jeden Fall gelohnt. Die Ladies Open haben sich zum größten Damensandplatzturnier in Deutschland entwickelt.
Nach 8 Jahren übergab 2006 Bernd Strobel das Vorstandsamt an Prof. Ingo Hauffe und ist seit dieser Zeit ehrenamtlich als Geschäftsführer tätig.
Ohne Kenntnisse im IT-Bereich ist es heute nahezu ausgeschlossen irgendeine Vorstandsfunktion, trotz Arbeitseifer, ausüben zu können. Unser IT-Fachmann Andreas Fechter hat mit der Erstellung und Pflege unserer Homepage das Image des Vereins in seiner Außendarstellung kontinuierlich verbessert. Ohne seine EDV-Kenntnisse wäre der Club in der heutigen Form der Vereinsführung völlig überfordert und man müsste auf eine sehr kostenintensive externe Betreuung zurückgreifen.
Die sportlichen Teamerfolge waren auch weiterhin unvermindert hoch. 8 Württ. Mannschaftsmeisterschaften und mehrere Vize-Meisterschaften in den letzten 10 Jahren dokumentieren die alte und neue Leistungsstärke des TC Hechingen. Mit Sigurd Dehn und Stefan Erhart hat der Club auch mehrfache Deutsche Meister im Ski und Tennis in seinen Reihen. Die Spieler und Spielerinnen heute sind leider nicht mehr so präsent im Club wie in den alten Zeiten. Dies hängt zum einen an den mangelnden Arbeitsmöglichkeiten in der Region, anderseits bevorzugen viele die Möglichkeit eines Auslandstudiums.
Als aktuell letzte Baumaßnahme wurde die hälftige Hallendachsanierung vorgenommen. Mit der Vermietung der Dachhälfte über 25 Jahre an einen Photovoltaikinvestor, konnte man diese Investition in Höhe von Euro 50.000.- kostenneutral für den Club gestalten. Die Sanierung der zweiten Dachhälfte soll in den nächsten drei Jahren erfolgen. Gleichzeitig wurde die Weiherstube mit neuen Polsterungen der Sitzgelegenheiten ausgestattet, deren Pächter Guiseppe Puccio ein ausgezeichneten Ruf auch außerhalb der Mitgliedschaft genießt.
Die Neuwahlen der Vorstandschaft 2010 brachten keine Veränderungen. Prof. Ingo Hauffe geht in seine dritte Amtsperiode als Vorsitzender des TCH, Volker Gulde ist seit 1998 2. Vorsitzender, Thomas Sprauer ist weiterhin als Kassier für die Finanzen zuständig. Andreas Fechter kümmert sich um den EDV-Bereich, Jörg Müller ist der Fachmann für das Steuerrecht und Bernhard Haiß unterstützt Sportwart Gerhard Frommer im Marketingbereich.
Trainer sind im dritten Jahr der Balinger Matthias Martin und nahezu 10 Jahre das Hechinger Eigengewächs Mark Luigart. Der Verein konnte 09 mit einer gezielten Schnupperaktion rund 60 Mitglieder zulegen, augenblicklicher Stand ist 374. Man hofft in 2010 die Vierhundertermarke wieder überspringen zu können. Nach 18 Jahren des kontinuierlichen Mitgliederrückgangs scheint der Tennissport in Hechingen wieder im Aufwind.
Vorstände, Trainer, Spieler, Mitglieder, Platzwarte und Pächter kamen und gingen, man möge es dem TCH wünschen, dass er auch in Zukunft über weitere 60 Jahre seine Geschichte schreiben darf.
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