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Daily News 08.08.2019

Der Fokus hat sich verändert

Laura Schaeder strahlte über das ganz Gesicht und war rundum zufrieden, als sie am Dienstag mit einem 6:1/6:4-Erfolg über Sofia Shapatava aus Georgien die zweite Runde bei den 22. Boso-Ladies Open in Hechingen erreicht hatte. Dass die 26-Jährige überhaupt noch einmal auf der Tour aufschlägt, schien Anfang des Jahres undenkbar. Denn eigentlich hatte sich Laura Schaeder vom Turnier-Tennis verabschiedet.

"Das hat sich im vergangenen Herbst so entwickelt, mir hat das Reisen keinen Spaß mehr gemacht, ich hatte keine Lust mehr darauf alleine im Hotelzimmer zu liegen und konnte mich einfach nicht mehr motivieren. Mit 25 überlegt man sich dann schon, ob das noch das Richtige für einen ist", sagt Laura Schaeder. Sie wollte weg von dem Ganzen, etwas anderes sehen, und ihr Sportmanagement-Studium vorantreiben. Nach dem Turnier in Cordenons/Italien war im November 2018 Schluss. "Ich wollte einfach wissen, ob mir ohne Tennis irgendetwas fehlt. Deshalb habe ich mich auch fit gehalten." Und ihr fehlte etwas. Im Frühjahr steigerte Schaeder, die seit Jahren für den Bundesligisten TEC Waldau antritt, ihr Trainingspensum, bestritt im März ein Turnier in Sharm El Sheikh und erreichte das Halbfinale. Einen Monat später musste sie sich in Antalya erst im Finale geschlagen geben. Und so durfte sie sich vier Tage vor ihren 26. Geburtstag sicher sein – der Neustart ist geglückt. Vor drei Wochen stand sie in Bukarest wieder in einem Endspiel. "Das waren zwar ›nur‹ 15 000-Dollar-Turniere, aber in den beiden Jahren davor war mir das nicht gelungen", sagt Schaeder.

Im März 2017 belegte sie in der Weltrangliste noch Position 277, stand kurz davor ihr nächstes Ziel, die Quali bei Grand-Slam-Turnieren, zu erreichen. "Und dann ging es los mit den Verletzungen. Ich hatte immer wieder Probleme mit einer Entzündung mit der Schulter", sagt Schaeder. Das Ziel rückte in weite Ferne. Doch inzwischen verfolgt Laura Schaeder ihren Traum, "einmal bei einem Grand-Slam-Turnier auf dem Center-Court zu spielen", wieder. Sie hat den Spaß am Tennisspielen zurückgewonnen. "Der Fokus liegt ein bisschen anders, ich gehe die Sache wieder motivierter und lockerer an. Der Druck ist weg."

Den Sprung ins Hauptfeld der Ladies-Open hätte sie über die Weltrangliste nicht geschafft, doch Turnierdirektor und Waldau-Manager Thomas Bürkle ermöglichte ihr einen Start per Wildcard. "Das war eine ganz spontane Aktion. Ich habe mich riesig darüber gefreut und meine Chance in der ersten Runde ganz gut genutzt", sagt Schaeder und grinst. Heute trifft sie in Runde zwei auf die Siegerin des Duells zwischen Julia Grabher und Katharina Gerlach. Doch ihre Gedanken kreisten am Mittwoch nicht allein um ihr nächstes Match. Schließlich ist für sie auch in Hechingen Tennis nicht alles – gestern Abend hielt sie noch eine Online-Präsentation für ihr Studium an der Fern-Uni in Wismar. Mitte Oktober ist die Deadline für ihre Bachelor-Arbeit mit dem Titel "Marketing für Start-up-Unternehmen".

Bis dahin will sie auch auf dem Court den nächsten Schritt gemacht haben – denn für das kommende Jahr hat sie ein altes, neues Ziel: In den Qualis der Grand-Slam-Turniere dabei zu sein.

Hoch konzentriert: Laura Schaeder setzt die Rückhand an. Foto: Kara Foto: Schwarzwälder Bote

(von Ulrich Mußler | www.schwarzwaelder-bote.de)

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